Eine CDU-Karawane zieht über Land und wirbt für die Oberschule. Ich wollte eigentlich nichts mehr dazu sagen, weil mir Qualitätsfragen wichtiger sind und es reichlich andere bildungspolitische Themen gibt. Aber wenn jede neue Oberschule als CDU-Erfolg verkauft wird, und wenn bei jeder Zustimmung der SPD vor Ort ein Gegensatz zur SPD-Landtagsfraktion konstruiert wird, dann gilt es doch noch ein paar Punkte klarzustellen, und ich will das im Überblick versuchen:
Wo liegen die Schwächen dieser neuen Schulform?
1. Die neue Schulform ist unnötig, weil sie nichts wirklich Neues bietet. In der “kleinen” Form ist sie eine nur wenig verbesserte, verbundene Haupt- und Realschule, in der “großen” Form (mit Gymnasialangebot) eine verschlechterte Kooperative Gesamtschule (ohne Oberstufe).
2. Dem Problem der zurückgehenden Schülerzahlen wird kein Konzept, sondern eine nur kurzfristig wirksame Standortsicherung entgegengesetzt.
3. Hinter der Einführung der Oberschule sollte auch ein pädagogisches Ziel zu finden sein. Länger gemeinsam und voneinander zu lernen, mit sozialpädagogischer Unterstützung, an einer echten, voll ausgestatteten Ganztagsschule, ohne den Zwang zum Turbo-Abi, das wären Qualitätsmerkmale. Sie werden nicht verwirklicht.
4. Damit wird die Oberschule der großen Herausforderung für das niedersächsische Schulsystem nicht gerecht! Diese Herausforderung besteht darin, einen Konsens zu entwickeln, wie die Schullandschaft über Legislaturperioden hinaus in ruhige Bahnen gelenkt werden kann.
Wir haben als SPD-Landtagsfraktion im Gesetzgebungsverfahren Gegenvorschläge gemacht und versucht, die genannten Schwächen zu beseitigen. Diese Änderungsanträge wurden sämtlich abgebügelt. Warum macht es trotzdem manchmal Sinn, vor Ort eine Oberschule zu beantragen:
1. CDU und FDP gestehen mit dieser Gesetzesänderung ein, dass ihre Politik der Dreigliedrigkeit und der Trennung der Kinder mit 10 Jahren gescheitert ist. Das können wir nur begrüßen.
2. Wo bisher Hauptschulen und Realschulen noch getrennte Welten darstellen, ist es sinnvoll, sie zusammenzuführen. Besser zusammen als getrennt, auch wenn die Schule dann Oberschule heißt.
3. Wo bestehende Haupt- und Realschulen Vorteile darin sehen, als Oberschulen fortgeführt zu werden, können sie das tun. Für Schüler- und Elternschaft wird sich wenig ändern.
4. Wir empfehlen Umsicht und Zurückhaltung, wenn es um die Einrichtung von Oberschulen mit Gymnasialangebot geht. Denn die Probleme des Mini-Gymnasialzweiges und des Zwangs zur Trennung (wegen des Turbo-Abis) werden oft nicht genug bedacht. Fast überall wäre eine Gesamtschule besser. Aber im Moment ist das Gesetz, wie es ist. Und da gibt es Situationen, wo Eltern und Kommunalpolitiker sagen, sie wollten die Gelegenheit ergreifen. Statt sie zu bevormunden, bieten wir an, solche Standorte nach dem Wahlsieg 2013 zu Gesamtschulen weiterzuentwickeln.
5. Wir werden dann ohne einen Radikalumbau, sondern durch Weiterentwicklung für den Bildungskonsens sorgen, den Schüler, Eltern, Schulträger, Lehrkräfte so herbeisehnen und der endlich für mehr Ruhe in der Schullandschaft sorgen wird.
Wer diese Punkte bedenkt, wird merken, dass es keinen Gegensatz zwischen dem Handeln der SPD-Vertreter und -vertreterinnen vor Ort und im Landtag gibt. Es gilt jeweils so zu entscheiden, dass es für die Schülerinnen und Schüler am besten ist und damit auch offensiv umzugehen.
Stichworte:Oberschule, Schulqualität





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Mit freundlicher Genehmigung des Karikaturisten Ernst Schröder. Weitere Karikaturen zu landespolitischen Themen finden sich auf den 
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